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Zeit zum Nachdenken

Die letzten Monate waren geprägt von Corona.

Abgesehen von den gesundheitlichen Gefahren und Unsicherheiten in dieser Zeit, die leider auch noch nicht vorbei sind, kann man auch tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft bekommen.

Natürlich verhalten sich viele vernünftig und rücksichtsvoll.

Es gibt aber auch eine große Anhängerschaft von Leugnern, Ignoranten und Rücksichtslosen.

Die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen ist umstritten, da bisher nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Der Erkenntnisgewinn ist erst im Aufbau. Daher sollten Vorsicht , Respekt und Rücksichtnahme im Vordergrund stehen.

Vielfach kann man aber beobachten, daß wenig Bereitschaft besteht, die persönlichen Interessen zugunsten anderer bzw. der Allgemeinheit zurückzustellen. Die eigene „Selbstverwirklichung“ und die Sucht an der „Spaßgesellschaft“ werden höher bewertet als alles andere.
Verzicht oder Rücksicht kann man von selbstbewußten „Spaßbürgern“ offensichtlich nicht verlangen. Das würde sie in ihrer Entwicklung und Selbstverwirklichung behindern – schliesslich haben sie sich das doch verdient – oder?

Mir drängt sich hier in erschreckender Weise eine Analogie zur Situation in der Digitalisierung und dem Umgang mit Datenschutz auf.

Die Kompetenz und die Verhaltensmuster großer Teile der Gesellschaft scheinen mir bei beiden Themen sehr ähnlich:

  • Man weiß wenig, glaubt aber alles zu wissen
  • Man kann auf nichts verzichten, will alles haben oder nutzen
  • jeglicher eigener Aufwand wird konsequent abgelehnt
  • alle anderen und deren Interessen sind egal
  • höchste Sicherheit und Vollkaskoschutz für sich selbst, aber auf Kosten anderer
  • etc. pp.

In Bezug auf die Digitalisierung und den Datenschutz stellt sich mir die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht, für „digitale“ Aufklärung, Eigenverantwortung und einen vernünftigen Umgang mit den digitalen Medien zu werben. Oder haben sich die meisten schon so an das „Bullshit-Web“ gewöhnt, daß es kaum jemand mehr missen möchte?
Wollen die meisten nur noch das Gefühl haben selbstbestimmt zu handeln, während sie von Algorithmen bestimmt werden, kaum noch in der Lage selbst einfachste Aufgaben zu lösen, aber im „Bullshit-Web“ das Gefühl vermittelt bekommen, die Größten zu sein?
Denn sie wissen nicht was sie tun und fühlen sich super dabei…

Wir leben in einer Informationsgesellschaft und die Informationen sind so allgemein zugänglich, wie noch nie in der Menschheitsgeschichte.
Aber der Mensch muß sie auch annehmen und selber „verarbeiten“. Das ist mit eigenem Aufwand verbunden. Das kann einem keine App abnehmen. Wenn man die Verarbeitungsprozesse und die Ergebnisse der App (hier stellvertretend für den Einsatz der Informationstechnologien) nicht zumindest in den Grundzügen versteht, sind sie letztendlich nichts wert und die Anwender nur noch fremdbestimmt.

Besteht bei großen Teilen der Gesellschaft überhaupt noch das Interesse an „Aufklärung“ und Selbstbestimmung?

Es gibt viele Internetseiten und Blogs, die sich diesen Themen widmen. Aber werden die wichtigen Zielgruppen überhaupt erreicht?

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